150 Jahre Schlacht von Solferino. Grafik: Martin Schmid

Dunant´s Erlebnisse

Henry Dunant geriet am 24. Juni 1859 auf das Schlachtfeld von Solferino. Seine Erlebnisse waren so eindringlich, daß er - zurück in seiner Heimatstatdt Genf - seine Erinnerungen niederschrieb. Im Jahre 1862 erschien sein Buch: "Eine Erinnerung von Solferino".

Er schilderte nicht nur seine Erlebnisse, sondern machte auch konkrete Vorschläge für die Zukunft. Diese Vorschläge mündeten 1864 in das Erste Genfer Abkommen zum Schutz von Soldaten in Kriegszeiten. Seine unermütliche Arbeit mündete auch in die Gründung des Roten Kreuzes, ebenfalls im Jahre 1864.

Im Jahre 2009 feiern wir den 150. Jahrestag der Schlacht von Solferino. Noch heute sind rund 97 Millionen Menschen weltweit in der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung den Ideen die Henry Dunant vor rund 150 Jahren hatte, verbunden. 

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Zeitgenössisches Bild der Schlacht von Solferino. Quelle: DRK
Zeitgenössisches Bild der Schlacht von Solferino

„Als einfacher Tourist, und dem Zweck dieses großen Kampfes vollkommen ferne stehend, hatte ich, durch besondere Umstände begünstigt, das seltene Vorrecht, bei dem ergreifenden Schauspiele, das ich hier zu schildern versuchen werde, zugegen zu sein. Ich will übrigens in den folgenden Zeilen nur meine persönlichen Eindrücke wiedergeben [...].

Oestereicher und Alliirte tödten einander auf den blutigen Leichnamen, sie morden sich mit Kolbenschlägen, zerschmettern sich das Gehirn, schlitzen sich mit Säbeln und Bajonetten die Leiber auf: kein Pardon wird mehr gegeben, es ist ein Gemetzel, ein Kampf wilder, wüthender, blutrünstiger Thiere, und selbst die Verwundeten vertheidigten sich bis zum Aeußersten; [...]

Dort findet ein ähnlicher Kampf statt, allein er wird  noch schrecklicher durch das Nahen einer Sakadron Cavalerie, welche im Galopp heransprengt; die Pferde zertreten unter ihren Hufen Todte und Sterbende; einem armen Verwundeten wird die Kinnlade zerrissen, einem anderen die Hirnschale zerschmettert, einem Dritten, der noch zu retten gewesen wäre, die Brust eingetreten. In das Wiehern der Pferde mischen sich Flüche, Schmerzens- und Verzweiflungsrufe und Wuthgeschrei."

Nächster Tag : nächster Schauplatz. Hierher also, in die Kirche von Castiglione delle Stiviere, wurden die Verwundeten und Verletzten hintransportiert - auf einfachen Pferdekarren, an Ambulanzen war noch gar nicht zu denken! Hier in der großen Kirche arbeiteten Dunant und die von ihm organisierten Frauen aus dem Ort Castiglione und pflegten die Wunden der Verletzten, gaben ihnen zu trinken und erleichterten so ihre schmerzvolle Zeit.

Dunant schreibt später darüber:

Dom von Castiglione delle Stiviere. Foto: Martin Schmid
Dom von Castiglione delle Stiviere.

„Bald war ein Kern von solchen Freiwilligen gebildet und die lombardischen Frauen eilten zu denen, welche am stärksten schrieen, ohne gerade immer die Unglücklichsten zu sein; ich für meinen Theil suchte soviel imer möglich die Hülfeleistung in dem Stadtviertel zu organisieren, welches derselben am nöthigsten hatte, und nahm mich besonders einer der Kirchen von Castiglione an, welche auf einer Höhe liegt [...] und die, wie ich glaube, Chiesa maggiore heißt. Mehr als 500 Soldaten waren hier untergebracht und mindestens noch gegen Hundert lagen vor der Kirche auf Stroh und unter den Tüchern, welche man gegen die Sonnenstrahlen ausgespannt hatte. Die pflegenden Frauen giengen hier mit ihren Krügen und Eimern, die mit klarem Wasser zum Löschen des Durstes und zur Befeuchtung der Wunden gefüllt waren, von Einem zum Andern. Einige dieser improvisirten Krankenwärterinnen waren schöne und niedliche junge Mädchen; ihre Sanftmuth, ihre Güte, ihre schönen mitleidigen und mit Thränen gefüllten Augen, sowie ihre aufmerksame Pflege trugen viel dazu bei, um einigermaßen den moralischen Muth der Kranken zu helfen. Die Knaben aus dem Orte kamen und giengen, um von den nächsten Brunnen Kübel, Krüge und Gießkannen mit Wasser nach der Kirche zu tragen. Auf die Wasserversorgung folgte dann die Austheilung der Fleischbrühen und Suppen, deren die Militärverwaltung in großer Menge zu liefern hatte. Ungeheure Ballen von Charie waren da und dort niedergelegt, damit jeder nach Bedürftigkeit davon nehmen könne, aber an Verbänden, Leinwand und Hemden fehlte es allenthalben ..."

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